Die Spitzmaus

Für viele sind Mäuse ein Graus. Da werden vermutlich auch keine Unterschiede gemacht und alle Mausähnlichen über einen Kamm geschoren bzw. den Nagezahn. Dabei wissen auch unsere Mäusejäger Nr. 1, die Katzen, dass es eine ganz besondere „Mausgattung“ gibt. Sie schmeckt nicht, riecht komisch und hat einen seltsamen Rüssel. Es ist die Spitzmaus, die mit den herkömmlichen Nagetieren nichts gemein hat.  Auf meinen Fotos sehen Sie eine Hausspitzmaus (Crocidura russula). Maus und Spitzmaus sind nicht einmal miteinander verwandt, denn Spitzmäuse gehören zu den Insektenfressern und sind daher nah verwandt mit Igel und Maulwurf. Schon in den 40er Jahren wollte die „Deutsche Gesellschaft für Säugetierkunde“ das Image der sehr nützlichen Spitzmaus verbessern und sie in die zoologisch schlüssigere und auch ältere Bezeichnung „Spitzer“ umbenennen. Dies wurde  allerdings von Adolf Hitler höchstselbst verhindert. Die Androhung eines „längeren Aufenthaltes in Baubataillonen an der russischen Front“ zeigte seine Wirkung und somit berichte ich auch heute noch von der Spitzmaus und nicht vom Spitzer. Schade, Spitzer klänge auch lustig.

Die Spitzmäuse sind drollige, sechs bis maximal zehn Zentimeter kleine Tierchen, die zumeist als Einzelgänger unterwegs sind. Auch sind sie stark territorial und markieren ihr Revier mit einem unangenehm riechenden Sekret. Auch mein kleiner Besuch im Eimer hat definitiv nicht nach Rosenblüten geduftet. Diesen hatte er sich übrigens selbst ausgesucht. Der kleine Kerl lebt bei mir im Bananenstauden-Beet, und die Eimer dienen dem Winterschutz der Pflanzen. Schnell ein Fotoshooting mit ihm oder ihr gemacht und dann wieder ab in die Freiheit! Mein Garten scheint perfekt, da er sehr naturbelassen ist. Sie lieben Laub-, Stein- und Asthaufen. Dort bringt die Spitzmaus-Mama mehrmals im Jahr bis zu zehn nackte kleine Babys zur Welt, die schon nach drei Wochen selbstständig werden und sich ein eigenes Territorium suchen. Zuvor werden sie aber sehr fürsorglich von Mama versorgt. Bei Gefahr trägt sie die ganz kleinen im Genick, so wie Katzen es machen. Sind sie schon etwas älter und mobil, formiert sie alle zu einer Spitzmaus-Karawane: jeder packt den Vordermann mit dem Mäulchen am Hinterteil, allen voran die Mutter und los geht’s im Gänsemarsch. Oder wohl eher im Spitzmausmarsch. So geht keines unterwegs verloren.

Leider werden sie meist nicht älter als ein Jahr. Falls doch, droht ihnen der Hungertod, denn die Zähnchen wachsen nicht nach wie beim Nager und sie verhungern dann kläglich. Apropos verhungern: die kleinen Gesellen haben einen ordentlichen Appetit. Sie müssen täglich das doppelte ihres Eigengewichtes vertilgen, da sie permanent wie auf Speed sind und die Energie gleich wieder verbrennen. Nicht umsonst werden sie von Zoologen „Mägen mit Zähnen“ genannt. Ein Traum für jeden Menschen: essen so viel man will, ohne Folgen auf der Waage. Zumindest mir würde das gefallen.

Aber für Spitzmäuse ist das natürlich permanenter Stress, immer auf der Suche nach Insekten, Würmern, Asseln und Spinnentieren zu sein. Das dürfte auch ein Grund ihres frühen Ablebens sein. Aber immerhin gibt es spitzmausähnliche Säugetiere seit dem Eozän – sie sind also womöglich noch den letzten Dinosauriern um die Beine gewuselt.

Und zum Abschluss habe ich noch einen kuriosen Zusammenhang zwischen der Spitzmaus und der Osteoporose-Forschung für Sie!

Man hat vor nicht allzu langer Zeit herausgefunden, dass Spitzmäuse, die keinen Winterschlaf halten, eine andere Strategie entwickelt haben um gut durch den Winter zu kommen. Futter ist knapp, sie finden nicht genug zum überleben und so schrumpfen sie ihren Körper im Winter um 20 Prozent! Und nicht nur das Gewebe, sondern auch die Knochen. Und als wäre das nicht schon ein kleines Wunder: dieser Zustand ist reversibel, im Frühjahr wächst alles wieder nach. Dass dies natürlich die für die Medizin von Interesse ist, liegt auf der Hand.

Nun, vielleicht habe ich Sie mit meiner Begeisterung für die kleinen Pelztierchen anstecken können und Ihren Blick geschärft für alles, was da so kreucht und fleucht bzw. nagt und knabbert…

Stefanie Pietsch

Quellen: Zwei Balinger NABU-Experten erklären, was die Spitzmaus mit Osteoporose zu tun hat (zak.de), Spitzmaus – BUND Hessen (bund-hessen.de), Spitzmäuse – Wikipedia


Ein Beitrag in den LW-Nachrichten, Ausgabe 500 (April/Mai 2023)

Frühjahrsempfang 2023

Sonntag, 19. März 2023, 18:00 Uhr (Vorabend zum Frühlingsanfang)

Saal der evangelischen Zachäusgemeinde am Platz der Begegnung, Auwaldstraße 88, 79110 Freiburg

Mit dabei ist das Kammerorchester Landwasser.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen. Ihr Bürgerverein Freiburg-Landwasser e. V.

 

Die Corona-Pandemie hat es möglich gemacht. Fast alle Bürgervereine haben im Jahr 2022 ihre Neujahrsempfänge abgesagt. Ohne Ersatz. Wir hatten stattdessen zu einem Frühlingsempfang eingeladen. Da die Resonanz überwiegend positiv war, haben wir gedacht: Warum nicht wieder so?

Statt Neujahrsempfang laden wir also die Bürgerschaft wieder zu unserem Frühlingsempfang ein.

Er findet statt am Vorabend des Frühlings in der evangelischen Kirche Zachäus am Platz der Begegnung.

Der Turmfalke


Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist der bei uns am häufigsten vorkommende Falke und wir können ihn sowohl in der Stadt als auch auf dem Land sehr häufig beobachten. Oder bei mir im Garten am Moosweiher. Neulich hat er sich einen arglosen Spatz geholt. Schwupp – weg war er!

Oftmals sitzt er auf einem Aussichtsplatz oder man kann ihn bei seinem berühmten „Rüttelflug“ beobachten. Dabei flattert er auf der Stelle in einer Höhe von etwa 10 bis 20 Metern und nutzt dies zur Beutesuche. Hat er ein Beutetier entdeckt (bevorzugt Mäuse und kleinere Vögel, wie in meinem Fall), stürzt er auf den Boden zu, schnappt sich das Tier und fliegt damit an einen ruhigen Ort zum verspeisen. Aber auch Regenwürmer und Insekten verschmäht er nicht.

Schon Mitte des 18. Jahrhunderts schrieb der französische Naturforscher Georges-Louis Leclerc de Buffon: „Der Kirchenfalk ist ein ziemlich ansehnlicher Vogel mit lebhaften Augen. In seiner Lebensart bezeigt er viel Emsigkeit und Muth!“.

Im Reichsvogelschutzgesetz vom 22. März 1888 wurde als einziger Greifvogel der als Mäusejäger sehr geschätzte Turmfalke unter Schutz gestellt. Und die Römer nutzen ihn, wie Brieftauben, als Boten. Während der römischen Bürgerkriege überwand der in der Stadt Mutina eingeschlossene Decimus Brutus durch Briefbotenfalken die Nachrichtensperre und konnte daraufhin durch Kaiser Augustus befreit werden.

Aristoteles kam einst zu der Erkenntnis, dass Turmfalken von allen Greifvögeln am fruchtbarsten seien und berichtete darüber in seinem „Historia Animalium“, der „Geschichte der Tiere“. Und in der Tat: die meisten Greifvögel legen 2-4 Eier, unser Turmfalke legt bis zu sieben Eier! Als Nistmöglichkeiten nutzen sie gerne ausgediente Krähennester oder sehr gerne Mauernischen, Kirchtürme und Löcher in Gebäuden. Dort ziehen die Eltern gemeinsam die Jungen groß und achten sehr auf gerechte Verteilung des Futters.

Wie alle Falken sind die Nestlinge untereinander selten aggressiv und warten brav, bis sie an der Reihe sind. Nach etwa vier Wochen ist das Federkleid soweit vollständig, dass die Kleinen das Nest verlassen können.

Lustig und erwähnenswert finde ich zum Abschluss noch die Beschreibung von Aelian, einem Schriftsteller des 2./3. Jhd.n.Chr., der in seinen Schriften „Eigenheiten der Tiere“ von heftigem Liebeskummer berichtet: „Wenn das Weibchen seinen Gatten einmal unversehens verlässt, ist das Männchen todunglücklich und jammert, und es gleicht dabei aufs Haar einem unglücklich liebenden Menschen“.

Auch eine für die Humanmedizin bemerkenswerte Beobachtung hatte er zu berichten: „Wenn des Falken Sehkraft nachlasse, pflücke er wilden Salat, drücke ihn über seinen Augen aus und gewinne auf diese Weise seine Sehkraft zurück“.

Man wird mich in nächster Zeit wohl öfter wilden Salat suchen sehen…

Stefanie Pietsch

Quellen: Der Turmfalke: Historische Betrachtungen, NABU / Turmfalke – Wikipedia, Turmfalke – Steckbrief, Größe, Lebensraum, Brutzeit, Bilder, Referat (brodowski-fotografie.de)

(Übernommen aus Landwasser-Nachrichten Febr/März 2023, Ausgabe 499)


Ein Beitrag aus unserer Serie zum Moosweier, siehe www.buergerverein-landwasser.de/moosweiher-blog  .

Unser Grundwasser

Die letzte Info der Interessengemeinschaft (IG) Grundwasser in Landwasser liegt lange zurück. Betroffen sind vor allem die Bereiche Bussardweg , Habichtweg und Teile der Auwaldstraße. Zwischenzeitlich ist viel geschehen – leider ohne Erfolg. Ich gebe hier nur einen kurzen Bericht:

Das von der Stadt Freiburg 2018 auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderates in Auftrag gegebene numerische Gutachten wurde der IG und dem Bürgerverein am 31. 7. 2020 in einer Kurzfassung präsentiert. Noch am selben Tag erklärten die damalige Bürgermeisterin Stuchlik und die Vertreter des Umweltschutzamtes (UwSA) in einer Pressekonferenz, dass das Gutachten keine wirtschaftlich und finanziell vertretbare Lösung biete. Die geäußerten Bedenken gipfelten in dem höhnischen Satz “Man darf nicht aus Jux und Tollerei Wasser aus einem Wasserschutzgebiet entnehmen“. Das muss man aus Sicht der Betroffenen nicht weiter kommentieren.

Danach wurde uns, dem BV und der IG, das Gutachten zugestellt. Zeitnah sollte ein weiteres Gespräch mit den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen folgen, das dann aber Pandemiebedingt in der Amtszeit von Frau Bürgermeisterin Stuchlik nicht mehr stattfinden konnte.

Erst am 10. 5. 2022 fand dieses Gespräch unter der Leitung von Frau Bürgermeisterin Buchheit statt. Gleich zur Eröffnung des Gesprächs erklärte der Vertreter des UwSA, dass das vom Gutachter als Lösungsvariante IV angebotene HDD-Verfahren (drei Quer drainagen, zwei davon unter dem Baugebiet, 6 m tief, verbunden mit hohem bautechnischem Aufwand) nicht genehmigungsfähig sei. Man muss kein Fachmann sein, um klar zu erkennen, dass diese Variante utopisch ist. Sie vom Gutachter untersuchen zu lassen, war schon ein Fehler des Auftraggebers – Zeit- und Geldverschwendung!

Die von uns geforderte Querdrainage am Waldrand hat der Gutachter als Lösungsvariante II nur kurz gestreift und als in der Wirkung unzureichend verworfen. Im gemeinsamen Gespräch am 10.05.2022 haben wir anhand Anlage 19 des Gutachtens jedoch nachgewiesen, dass die Variante II unter Einbeziehung der schon abgedichteten Anwesen auch bei Grundwasserspitzen eine ausreichende Wirkung bis zur Auwaldstraße entfaltet. Wir haben Belege dafür in einer Bildprojektion präsentiert und eine ergänzende Untersuchung durch den Gutachter gefordert. Diese Variante wäre technisch geeignet, auch künftig infolge des Klimawandels auftretende Grundwasserspitzen zu kappen, und damit Schäden an der Gebäudesubstanz zu verhindern.

Vertreter der Fraktionen haben diese Idee aufgegriffen und mit Schreiben vom 27. 5. 2022 an den Oberbürgermeister einen interfraktionellen Antrag mit der Frage gestellt, unter welchen Bedingungen  die Variante II umgesetzt werden kann. Im Antwortschreiben dazu vom 8. 7. 2022 und im Protokoll vom 11. 7. 2022 über das Gespräch am 10. 5. 2022 blieben unsere Argumente unerwähnt. Jede weitere Untersuchung wurde kompromisslos abgelehnt. (Beide Schreiben sind Teil der Dokumentation.). Wir haben mit einer Stellungnahme und einem Anschreiben an die Frau Bürgermeisterin und an die Fraktionen reagiert und mitgeteilt, dass wir nach fast 20Jahren des Bemühens um eine realisierbare Lösung nun resignieren und unsere Aktivitäten einstellen werden.

Als Letztes werden wir eine gebundene Dokumentation erstellen und interessierten Bürgern für ca. 7.00 Euro zur Verfügung stellen. Wer eine Dokumentation haben will, möge sich per Mail an walwagner@gmx.net melden.

W. Wagner (Sprecher der IG Grundwasser in Landwasser)


Ein Beitrag aus den Landwasser-Nachrichten Febr/März 2023, Ausgabe 499

Die Gaskugel als Ausflugsziel

Ein Bürgerprojekt Die Freiburger Gaskugel, markantes Wahrzeichen des Freiburger Westens, ist seit 2019 stillgelegt und steht unter Denkmalschutz. Seitdem engagiert sich ein breites Netzwerk rund um den Arbeitskreis Gaskugel für den Erhalt und eine neue Nutzung des fast 40 Meter hohen Ingenieurbaus. Hier soll ein lebendiger Treffpunkt mit einem Gartencafé unter den alten Bäumen entstehen, niedrigschwellig und familienfreundlich. Zudem soll der imposante Baukörper mit seiner spektakulären Echoakustik auch von innen erlebbar gemacht werden und ein Dokuzentrum zum Thema Wasser – Klima – Energie soll die Geschichte des Ortes vermitteln und aktuelle Fragen der Energieversorgung aufgreifen.

Susanne Hahn (re.) ist die erste KUGEL-Patin, Dr. Heike Piehler überreicht die Urkunde (Foto: AK Gaskugel)

Das Konzept steht. Viele namhafte Institutionen wie die Hochschule für Musik Freiburg, die Ingenieurkammer Baden-Württemberg und die Regionalgruppen derArchitektenkammer BW, des Allgemeinen DeutschenFahrradclubs adfc e.V. oder des BUND unterstützen es. Für die Realisierung müssen vor allem überregionaleFördergelder eingeworben werden.

Die Stadt Freiburg will die Gaskugel in ihre Planungenfür ein attraktives Naherholungsgebiet entlang der Dreisam einbeziehen und steht im Gespräch mit dem Eigentümer Badenova / bnNetze und dem AK Gaskugel, doch noch ist nichts entschieden.

Werden Sie KUGEL-Pate! Als Patin oder Pate werden Sie Teil des Bürgerprojekts: Stiften Sie uns einen Quadratmeter Kugel-Sanierung oder einen Betrag Ihrer Wahl und beteiligen Sie sich damit finanziell konkret an der Realisierung – natürlich mit Spendenbescheinigung. Gleichzeitig stellen Sie sich durch Ihre Zuwendung auch symbolisch hinter das Projekt. Gemeinsam mit unseren Patinnen und Patenwollen wir es aus der Taufe heben. Wert: 275 Euro / Quadratmeter

Allein die Sanierung der Kugelhülle im Inneren wird knapp eine Million Euro kosten, das sind bei einer Fläche von 3.580 Quadratmetern etwa 275 Euro je Quadratmeter. Als Patinnen und Paten machen wir den Anfang! Den Betrag von 275 Euro oder eine Summe Ihrer Wahl spenden Sie als einmalige Zahlung, und erst, wenn die Weichen für die Realisierung gestellt sind. Bis dahin halten wir Sie auf dem Laufenden. So können wir alle zusammen das Projekt aus der Bürgerschaft heraus stark machen. Die breite Unterstützung durch die Bürger*innen, aber auch durch ortsansässige Firmen und Institutionen erhöht unsere Chancen beider Einwerbung überregionaler Zuschüsse! Jetzt vormerken lassen! Sie erklären uns heute Ihre grundsätzliche Bereitschaft zu spenden. Erst mit Sanierungsbeginn werden wir Sieum Ihre Spende bitten. Als Kugelpatin oder -pate erhalten Sie eine Urkunde mit einem eigens hierfür gezeichneten Motiv von Peter Gaymann. Die Urkunde gibt es in den Ausführungen „Ich bin Kugelpate“, „Ich bin Kugelpate“ und „Wir sind Kugelpaten“.

Bestellen Sie unser Infoblatt mit Anmeldeformular: arbeitskreis-gaskugel@posteo.de oder registrieren Sie sich online: www.gaskugel-freiburg.de/patenschaft

Der Arbeitskreis Gaskugel ist eine gemeinsame Initiative von: Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V. Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslindee.V., Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbilde.V. und Stiftung BauKulturerbe gGmbH.

Dr. Heike Piehler

Alles Weitere hier: www.gaskugel-freiburg.de


Ein Beitrag aus den Landwasser-Nachrichten Febr/März 2023, Ausgabe 499

Die Blindschleiche


Die meisten werden sie schon irgendwo in Feld, Wald oder Wiese entdeckt haben. Bei vielen lösen sie Ekel aus, einige halten sie für eine Schlange und wiederum andere freuen sich über die gar nicht blinde Blindschleiche (Anguis fragilis). So wie ich. Wir teilen mit ihr unseren Garten, ab und an verirrt sich auch mal eine in unseren Keller. Gartenbesitzer können sich freuen, wenn sie Blindschleichen als Mitbewohner haben: sie fressen besonders gerne Nacktschnecken, aber auch Insekten, Würmer und Asseln.

Leider werden sie häufig Opfer von Rasenmähern und Hauskatzen, oder werden überfahren. Auch Raubvögel, Füchse und Dachse verspeisen sie sehr gerne.Aber warum wird die Blindschleiche eigentlich Blindschleiche genannt, obwohl sie doch gar nicht blind ist? Und warum heißt sie mit wissenschaftlichem Namen „Anguis fragilis“ (zerbrechliche Schlange)? Dabei ist sie doch gar keine Schlange, sondern eine beinlose Echse.

Der irreführende Begriff „Blind“ kommt von dem althochdeutschen Wort „Plint“ für blendend bzw. „Plintslicho“ (blendender Schleicher) und bezieht sich auf den metallenen Glanz des Schuppenkörpers. Der „Hartwurm“, wie die Blindschleiche früher auch genannt wurde, sieht nur auf den ersten Blick so aus wie eine Schlange. Sie bewegt sich recht steif, anders als die sehr beweglichen Schlangen. Das kommt daher, da das Knochengerüst aus vielen kleinen, starren Knochenplättchen besteht. Auch haben sie bewegliche Augenlider, die sie auch schließen können. Sie müssen ihr Maul öffnen zum züngeln, Schlangen wiederum haben eine kleine Lücke in der Oberlippe.

Das Reptil des Jahres 2017 ist eilebendgebährend („ovovivipar“). Das bedeutet, dass die dotterreichen Eier im Mutterleib ausgebrütet werden. Nach etwa 11-14 Wochen schlüpfen die Jungtiere (meist 8-12 Stück) im Körper der Mutter und kommen mit einer dünnen Eihülle auf die Welt. In unserem Bananenstaudenbeet habe ich schon oft Nester mit Jungen gefunden, bei der Gartenarbeit muss ich immer sehr aufpassen.

Blindschleichen gelten nicht als gefährdet, stehen aber dennoch unter Natur- und Artenschutz und dürfen nicht gefangen oder gejagt werden. In Gefangenschaft können sie bis zu 50 Jahre alt werden, freilebende Tiere erreichen dieses Alter eher selten, aufgrund der vielen Fressfeinde und Unfallgefahren, denen sie zum Opfer fallen.

Einen Tipp will ich noch als Abschluss meines Blindschleichen-Reports geben: Falls Sie einem Tier über die Straße helfen oder es aus einer anderen misslichen Lage retten wollen,  greifen Sie sie nicht am hinteren Ende des Körpers. Blindschleichen werfen bei Gefahr einen Teil ihres Schwanzes ab. Möglich ist das durch „Sollbruchstellen“ in den Schwanzwirbeln. Der Schwanz wächst dann aber nicht nach, es bildet sich ein Stumpf.

Ich hoffe, Sie freuen sich in Zukunft auch über den „blendenden Schleicher“, wenn Sie ihm begegnen und helfen ihm über die Straße. Möglicherweise zieht er als Dankeschön auch in Ihrem Garten ein.

Stefanie Pietsch

Quellen:  Artenporträt Blindschleiche – NABU


Ein Beitrag aus unserer Serie zum Moosweier, siehe www.buergerverein-landwasser.de/moosweiher-blog  .

OB vor Ort

Einmal im Monat besucht OB Martin Horn einen Stadtteil und stellt sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürgern. Am Montagabend, den 19.12.2022, war nun Landwasser dran. Von 17.00 bis 19.00 Uhr zuerst in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule, von 19.00 bis 21.00 Uhr dann im Gemeindesaal der Katholischen Kirche. In der Schule waren im kleineren Kreis Vertreterinnen und Vertreter der Schulen, Elternbeiräte, Haus der Begegnung, Polizei, die katholische Kirche, Bürgerverein u.a. dabei. Diskutiert wurde intensiv über Themen wie digitale Ausstattung der Schulen, Sanierung der Schulen, Vandalismus in Landwasser, Rückbau der Elsässerstrasse zur Verkehrsberuhigung, Parkraumbewirtschaftung in Landwasser, der immer knapper werdende öffentliche Raum in Landwasser usw. usw.

Im Gemeindesaal ab 19.00 Uhr waren dann rund 50 Bürgerinnen und Bürger aus unserem Stadtteil dabei, die rege ihre Anliegen vorbrachten. Zum Teil waren es die gleichen Anliegen, die auch schon am Nachmittag vorgebracht wurden. Auch da waren es die Themen „zugeparkte Straßen“ in Landwasser und die Verkehrsberuhigung der Elsässerstrasse (bzw. einen ampelgesteuerten Fußgängerübergang). Aber auch die noch immer aktuelle Grundwasserproblematik im Stadtteil („die Betroffenen fühlen sich von der Stadt hingehalten“), die die Keller feucht werden lässt. Und die Erbpachtsituation, die v.a. Einfamilienhäuser in Landwasser unverkäuflich machen. Infolge dessen leidet die Bausubstanz der Häuser, weil neue Besitzer einen Erbpachtzins von bis zu 2.000 Euro pro Monat (!) nicht bezahlen wollen.

Viele Themen, die an OB Martin Horn herangetragen und von ihm oder seinem Stadtteilreferenten, Joachim Fritz, notiert wurden. Viele Themen, die uns als Bürgerin und Bürger dieses Stadtteils auch 2023 beschäftigen werden. Als gute Nachricht für den Stadtteil überbrachte OB Horn die Nachricht, dass das Haus der Begegnung barrierefrei umgebaut wird. Dafür gibt es 250.000 Euro von der Stiftung „Aktion Mensch“, weitere 600.000 Euro sind im städtischen Haushalt eingestellt.

Dr. Klaus Pietsch


Ein Beitrag aus den Landwasser-Nachrichten Febr/März 2023, Ausgabe 499

Probleme am Wochenmarkt

Seit fast 50 Jahren gibt es unseren Bauernmarkt in Landwasser. Er ist auch über die Grenzen des Stadtteils bekannt und beliebt.

Einige Stände des Bauernmarktes werden durch die geschlossene Schranke stark behindert

Leider schleichen sich seit Beginn der Bauarbeiten am neuen Einkaufszentrum Gepflogenheiten ein, die nicht akzeptabel sind. Das Befahren des Platzes mit motorbetriebenen Fahrzeugen ist zum Beispiel nicht erlaubt. Einzig zur Belieferung oder eben an den Markttagen dürfen hier Autos fahren. Immer wieder wird der Platz als „Abkürzung“ zwischen Spechtweg und Auwaldstraße missbraucht. Sei es um Kinder in die Schule zu bringen oder zu den Kirchen oder Kitas zu kommen. Auch Parken ist ganzjährig nicht gestattet. Desweiteren wird der Platz auch nicht mehr (wie vor Jahren noch üblich) vom herabfallenden Laub befreit. Die Marktleute müssen diese Arbeit selbst verrichten. Wenn es regnet bilden sich wegen der verstopften Abflüsse große Pfützen. Es ist unzumutbar, dass die Standbetreiber diesen Dreck selbst wegmachen sollen. Dass ein Erlass der Standgebühren im Rathaus mittlerweile seit Monaten diskutiert wird ohne zu handeln ist reiner Hohn!

Der Platz wird auch immer kleiner, weil die Schranke zum Schulhof seit ein paar Wochen ein neues Schloss hat. Einen Schlüssel hierfür hat die Schulleitung bislang nicht ausgehändigt. Nur mit Kreativität und Einfallsreichtum konnten die letzten Samstage die Stände aufgebaut werden. Inzwischen ist bekannt geworden, dass Herr Nübling ein neues Schloss mit genügend Ersatzschlüsseln kaufen wird, damit am Samstag wieder der Weg freigemacht werden kann.

Ein weiteres Ärgernis ist, dass es nun schon mehrfach zu Vandalismus in den von der evangelischen Kirche zur Verfügung gestellten Toiletten kam. Die Toiletten waren – auch schon früh am Morgen – durch menschliche Hinterlassenschaften derartig verschmutzt, dass man die Toilette nicht mehr benutzen konnte. Wer es gemacht hat, ist natürlich nicht festzustellen. Anstand und Respekt vor fremdem Eigentum hatte diese Person offensichtlich nicht. Das Ergebnis dieser Taten ist, dass die Marktleute nun nur noch über das Café Palma zu den Örtlichkeiten kommen.

Die Liste der Mängel könnte noch um einiges erweitert werden. Der Bürgerverein ist im Gespräch mit Rathaus und ASF, doch wirklich bewegt hat sich leider nichts. Es würde mich nicht wundern, wenn der Markt verkleinert wird oder sich gar auflöst, denn der Verdruss ist groß. Das wäre sehr schade! Unterstützen Sie bitte weiterhin durch Ihren Einkauf unseren Markt. Unterstützen Sie den Bürgerverein, wenn Sie z. B. Kontakte zum Rathaus oder der ASF haben und sprechen diese auf die Missstände an.

Einer der ältesten Bauernmärkte in Freiburg darf nicht im Stich gelassen werden.

Karin Schulz


Ein Beitrag aus den Landwasser-Nachrichten Dez. 2022/Jan.2023, Ausgabe 498

„Hermännchen“ am Moosweiher


Mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Hartmut Mletzko

Im vorigen Sommer schaute schon einmal ein klitzekleines Tierchen zur Gartentür herein und wir rätselten erstaunt, was das denn jetzt schon wieder war! Es war keine Maus, kein Siebenschläfer und kein Hörnchen. Winzig klein, dunkles Oberfell mit einem weißen Latz. Mit diesen Angaben fanden wir heraus, dass es ein Mauswiesel gewesen sein musste. Das Entzücken war groß! Es war noch größer, als es sich diesen Herbst gleich mehrmals vor unserer Gartentür zeigte, einmal gelang mir ein (leider schlechtes) Foto. Und sogleich forschte ich nach, was ich über das mausgroße Kerlchen herausfinden konnte.

Das Mauswiesel (Mustela nivalis) gehört zur Familie der Marder und ist mit 11 bis 26cm das kleinste Raubtier der Welt. Die Größe schwankt je nach Verbreitungsgebiet, zudem sind Weibchen auch viel kleiner als Männchen. Es ist mit dem Hermelin die zweite Wieselart in Mitteleuropa, die beiden sind aber gut voneinander zu unterscheiden. Das Hermelin ist deutlich größer, hat ein längeres Schwänzchen mit einer dunklen Spitze und auch durch die Fellzeichnung kann man sie gut unterscheiden. Auch kommt es hier in Mitteleuropa selten vor, dass Mauswiesel, wie das Hermelin, die sonst braune Fellfarbe zur besseren Tarnung im Winter in eine weiße wechseln. So sehr die Größe und das niedliche, otterähnliche Aussehen entzücken, so überrascht ist man doch darüber, was für ein kleiner Räuber er mit seinen rasiermesserscharfen Zähnchen ist. Das „Hermännchen“, wie es im Volksmund genannt wird, frisst in der Hauptsache seine Leib- und Magenspeise Mäuse. Und davon reichlich. Aber auch vor Vögeln, Eidechsen und Insekten macht es nicht Halt. Selbstbewusst erlegt es sogar Ratten und junge Kaninchen mit einem gezielten Biss ins Genick. Was für ein gesunder Appetit! Das Hermännchen hat aber auch einen hohen Energiebedarf und ist bei Tag und bei Nacht unterwegs. Dabei nutzt es meist die langen Mäusegänge als „Autobahn“.

Stefanie Pietsch mit freundlicher Genehmigung des Hermännchens

Wie man sich vorstellen kann, ist die Freude einer unterirdischen Begegnung recht einseitig. Gerne nutzen sie die anschließend verlassenen Mäusebauten als eigene Behausung, aber auch Holz- und Steinhaufen werden von ihnen gerne aufgesucht. Vor allem für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen sie einen trockenen und geschützten Ort. Meist einmal im Jahr, bei gutem Nahrungsangebot aber auch ein zweites Mal, wirft das Weibchen fünf bis zehn Junge. Die kleinen Winzlinge bleiben etwa zwei Monate bei der Mutter und können mit drei Monaten schon selbst eigene Familien gründen. In freier Wildbahn werden sie oftmals nicht älter als ein Jahr. Zu ihren Feinden gehören Greifvögel, Füchse, aber auch ihre nahen Verwandten Hermeline. In Gefangenschaft können sie sogar neun Jahre alt werden. Wie Sie sich vorstellen können ist das Tier des Jahres 2013 bei uns Menschen ein gern gesehener Gast! Die angenagten Gummilitzen und Kabel im Auto gehen auf das Konto vom großen Onkel Steinmarder. Zudem erlegt es unzählige Mäuse am Tag und auch die ein oder andere unliebsame Ratte. Doch das war nicht immer so: vor allem zur Zeit der Hexenverfolgung galten sie als untrügerisches Anzeichen für Dämonen und bösen Einfluss. Das laute Fauchen deutete auf dämonische „Vergiftung“ hin und ihre Anwesenheit als böser Hausgeist auf einen Nachweis für Hexerei. Na, dann nehmen Sie sich mal lieber vor uns Moosweiher-Bewohnern in Acht!

Stefanie Pietsch

Quellen: Das Mauswiesel (Mustela nivalis), buntewiese-stuttgart.de / Mauswiesel – Wikipedia

(übernommen aus Landwasser-Nachrichten Dez. 2022/Jan.2023, Ausgabe 498)


Ein Beitrag aus unserer Serie zum Moosweier, siehe www.buergerverein-landwasser.de/moosweiher-blog  .

Deutsch-französische Partnerschaft

Das 70. deutsch-französisches Partnerschaftstreffen am 8. Okt. 2022 in Besançon.

Nach langer Corona-Pause konnte endlich wieder ein Treffen mit den Partnern aus Besançon Saint-Claude organisiert werden. 2019 waren unsere französischen Freunde zum 40. Jahrestag unserer Jumelage hier in Freiburg, und diesmal unternahmen wir mit 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Busreise nach Besançon zum Gegenbesuch. Unsere Freunde erwartetem uns auf einem Parkplatz am Rande der historischen Altstadt, und wie immer war die Begrüßung herzlich, auch wenn auf das sonst obligate Küsschen verzichtet wurde. Bei dem anschließenden Rundgang zeigte uns ein deutschsprachiger Stadtführer interessante Plätze und Gebäude, wobei auch erfahrene Besançon-Kenner viel Neues entdecken konnten. Die Stadtbesichtigung endete auf dem Platz der Revolution, wo wir in einem gemütlichen Restaurant hervorragend bewirtet wurden.

Der feierliche Anschluss fand im Blauen Haus, dem Quartiershaus und Sitz des Comité de Saint-Claude, statt (Foto von Stefanie Pietsch)

In netter Atmosphäre konnten hier auch die Grußworte des Bürgervereins Landwasser und des Comité de Saint-Claude ausgetauscht werden. Der Höhepunkt unseres Aufenthalts in Besançon war nach dem Mittagessen eine Bootsfahrt auf dem Fluss Doubs, der die Altstadt in einer großen Schleife umschließt. Die Ufer des Doubs wurden hier im 16. bis 19. Jahrhundert zum Schutz der Stadt mit zahlreichen Bastionstürmen und anderen Befestigungsanlagen versehen. An der schmalsten Stelle der Schleife bewachte die berühmte Zitadelle den Zugang zur Stadt. Dieses Bauwerk wurde übrigens, ebenso wie die ehemalige Festung auf dem Freiburger Schlossberg, vom großen französischen Baumeister Vauban errichtet. Die Flussschleife hatte mit seinen Befestigungen den Vorteil, dass sie die Stadt schützte, hatte aber den Nachteil, dass die Schiffe wegen der Umrundung der Stadt einen großen Umweg machen mussten. Daher wurde unter der Zitadelle ein 375 m langer Kanal als Abkürzung durch den Berg getrieben, den auch wir durchfahren durften. Später wurde übrigens auch ein zusätzlicher Autotunnel gebaut.

Abschied wurde zum Schluss im „Blauen Haus“, gefeiert, dem Quartiershaus und Sitz des Comité de Saint-Claude, in dem Veranstaltungen, wie Sprach-, Mal-Töpferkurse u.v.a.m. angeboten werden. Hier konnten wir bei einem reichhaltigen Angebot an Kuchen und Getränken unser Gastgeschenk überreichen: Tee, Gebäck und andere Süßigkeiten, passend zu den Jubiläumstassen der 900-Jahr-Feier Freiburgs, die uns die Stadt dankenswerterweise mitgegeben hatte. – Es blieb auch genügend Zeit für persönliche Gespräche, so dass wir uns mit den französischen Partnern über den interessanten Tag austauschen und schon auf das nächste Treffen in Freiburg, voraussichtlich im Herbst 2023, vorbereiten konnten.

Dieter Dormeier

(für die Vorbereitungsgruppe „Jumelage“ im Bürgerverein Freiburg-Landwasser)


Ein Beitrag aus den Landwasser-Nachrichten Dez. 2022/Jan.2023, Ausgabe 498